Blühendes Ottensen – Kampagne zur Stadtteilverschönerung im Jahr 1978

Der flächendeckende Abriss Ottensens wurde in den 70er Jahren bekanntermaßen durch eine aufkeimende Protestkultur und einem Umdenken in der Stadtplanung weitestgehend verhindert. Der Stadtteil befand sich in der Deindustrialisierung. Fabriken wurden aufgegeben und/oder gingen insolvent. Eine Sanierung der Bestandsgebäude des in vielen Ecken maroden Stadtteils war dringend nötig und teilweise bereits in vollem Gange.

 

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Große Brunnenstraße. Foto: Stadtteilarchiv Ottensen

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Bahrenfelder Straße. Foto: Stadtteilarchiv Ottensen

Aktion ‚Blühendes Ottensen‘

blühendes-ottensentIm Frühjahr 1978 startetet daraufhin das Bezirksamt Altona, in Kooperation mit der Werbegemeinschaft Ottenser Kaufleute, die Aktion Blühendes Ottensen. Eine Ottenser Bürgerin hatte ursprünglich diese Idee. Sie wünschte sich alle Bewohner des Stadtteils für eine Verschönerung ihrer Umgebung zu ermutigen und trat damit an das Amt heran. Der damalige Altonaer Bezirksamtsleiter Maschek war von dem Plan angetan und machte sich an die Umsetzung. Er kündigte an, den Stadtteil mit HIlfe der Bürger „lebenswerter und liebenswürdiger zu machen“.

Auch das städtische Wohnungsbauunternehmen SAGA beteiligte sich und ermunterte ihre Bewohner zur Teilnahme. Nicht alle waren damals davon überzeugt, würde es doch von den eigentlichen stattfindenden Diskussionen im Stadtteil ablenken, sowie drängende Probleme nur kaschieren. Die Aktion startete nichtsdestotrotz im Mai mit einem Blumenfenster- und Balkonwettbewerb:

Foto: Stadtteilarchiv Ottensen

Foto: Stadtteilarchiv Ottensen

Außerdem dekorierten zahlreiche Ottenser Geschäftlseute ihre Schaufenster mit Blumen. Dazu stellte die Bücherhalle Fach- und Sachliteratur aus. Eine Plakatkampagne stellte verschiedene Ottenser Originale dar. Zum Beispiel Emil Seeliger („Blumen Emil“), welcher den beliebten Bumenhandel neben Hertie betrieb. Auch größere Eingriffe in der Stadtgestaltung wurden umgesetzt. Plätze wurden umgestaltet und Bäume gepflanzt. Dazu gehörte z.B. die Kleine Brunnenstraße, welche als erste Straße des Viertels nach holländischem Vorbild zur sogenannten „Wohnstraße“ umgebaut wurde. Es sollte ein Kompromiß zwischen Autos und Menschen sein. Die Bäume sind heute noch sichtbar. Geprägt wird die Straße allerdings von parkenden Autos. Aber immerhin… ‚Blühendes Ottensen‘ war eine damals gelungene Aktion und heute erzählenswerte Anekdote.

 

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Zugeparkte Wohnstraße Kleine Brunnenstraße im Winter 2015

 

 

1 Kommentare

  1. Für mich war ein Ottensener Original der Schuhmacher gegenüber der Motte oder Frau Schilling in der Arnoldstr.!

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