Streetart-Update #9: ART ATTACK von Iven Einszehn

Pimmel-Puma „Skandal“

Eine recht ungewöhnliche, drastische und provozierende Streetart-Aktion hat im September der Hamburger Künstler Iven Einszehn durchgeführt. Er begann das Haus in der Bergiusstraße 12 in einer „Qualitätsoffensive“ mit Kunst zu bereichern. Bei der mehrtägigen Aktion wurde er jedoch gestört, weshalb er die Aktion vorzeitig abbrach. Augenscheinlich geriet er in das Zentrum straßeninterner Machtspielchen, auf die er wenig Lust hatte…

„Ich konnte mein Projekt nicht beenden. Eine Bewohnerin der Bergiusstraße hat das verhindert. Mit dem einfachen Argument: „Ich will das nicht, weil ich nicht gefragt wurde,“ hat sie jegliche Bereitschaft, sich auch nur ansatzweise mit meiner Arbeit und der konstruktiven Intention zu beschäftigen, abgelehnt.“  – Iven Einszehn

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„Art Attack“ in der Bergiusstraße 12.

Verschiedene Arbeiten und Techniken von Iven Einszehn.

Der Künstler

Iven Einszehn ist ein in Hamburg lebender Autor und Künstler mit einem äußerst umfangreichen Output. Er schreibt Gedichtbände, Bücher, satirische Kolumnen zu Politik, Kultur und Zeitgeschehen in diversen Zeitungen und wurde bereits mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet. Einszehn veröffentlicht Hörfunk- und Sketchproduktionen sowie Kurzfilme. Ein im vergangenen Monat publiziertes Interview in dem digitalen Magazin postmondän, beschreibt ihn als „neurotischen Satiriker der mit dem Begriff ‚Dreistist‘ besser erklärt wäre, weil den die Polizei nicht kapiert.“ Weiter heißt es sinngemäß: „Der Künstler entzieht sich branchenüblichen Schubladen und bedient jegliche Ausdrucksmöglichkeiten.“

Sein grenzenloses Schaffen umschreibt der Künstler selbst als: ALL YOU CAN ART.

Über „Art Attack Altona“

Seine experimentiellen Methoden hat er nun auf dem Haus in der Bergiusstraße umgesetzt. Der rastlose und experimentierfreudige Künstler nutzt für seine Ducke allerlei Materialien wie z.B. Gummi, Kautschuk, Trittschalldämmung oder Styropor. Außerdem finden sich auf der Fassade seine sogenannten Dirtygrafien. Mit Lack oder Markern aufgetragene Wörter und Sätze u.a. als Cut-out auf verschiedenen Untergründen wie Buchcover, Kartons oder Papier.

Bei dem Gebäude handelt es sich mitnichten um ein Spekulationsobjekt oder einer Eigentumsimmobilie welches für Politaktivisten interessant ist anzugreifen. Das alternative Haus, welches vor vielen Jahren von seinen Bewohner gekauft wurde und seither als selbstverwaltetes Wohnprojekt MSV Turm e.V. geführt wird, war in den Augen des Künstlers schlicht beschissen zugetaggt. Von den Bewohnern wurde er aber auch nicht explizit darum gebeten etwas daran zu ändern. Er tat es trotzdem.

„Erst üben dann Straße“

Collage „Ich brauch ne besser Hautcreme“. Rechts: QR-Code mit „More Stuff“.

Erhaltenswert und gelobt: Stencils von „RUMO“ (links) und „unbekannt“ (rechts). „Tilt-Variation“von Iven Einszehn (mitte)

„Art is waste is art“

Streetart in Altona

In seinem eigenen Blogbeitrag stellt der Künstler fest, dass in Altona zwar eine hohe Dichte an Streetart existiert, man jedoch oftmals länger suchen muss um gute Arbeiten zu finden. Mit dieser Meinung ist er mit Sicherheit nicht alleine. Er beschreibt den Schrott den es an vielen Wänden im Viertel zu sehen gibt als „kleinschwänzige Scheiße“. Andererseits hebt er hervor, dass man bei Streetart aber auch mal leicht in die ästhetische Falle der eigenen Vorstellungen tappt. Seiner Meinung nach ist beispielsweise 2016-viertel-bleibt-dreckig-00der kämpferische Schlachtruf Das Viertel bleibt dreckig, in seiner allerorten vorsätzlich gesprühten Hässlichkeit durchaus ein probates Mittel, um gegen die um sich greifende kapitalistische Verwertung in Altona anzustinken und bedarf keinerlei Ästhetik.

Das Phänomen Streetart lässt sich nur in seiner Gesamtheit begreifen. Denn es geht in der Streetart grundsätzlich nicht darum, der Umwelt etwas Schönes hinzuzufügen, das ist vielmehr ein positiver Nebeneffekt. Es geht vorrangig darum, sich den bestehenden Verhältnissen zu widersetzen, es geht um Einmischung, um Widerstand, um Vereinnahmung. – Iven Einszehn

 

Aufruf: „Tag it – Cross it!“

 

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Offsetdruckfarbe auf Papier (Druck v. Trittschalldämmung)

Der Künstler ist mit der Unvollständigkeit seiner Aktion nun sehr unzufrieden und gibt sich, wegen der Nicklichkeiten und dem ihm entgegebrachten Unverständnis seiner Aktion, geschlagen.

Da sein Motto allerdings DOPPELT ODER NICHTS lautet, ruft er nun alle taggenden Kollegen dazu auf, über sein Projekt drüber zu gehen und den Urzustand der Fassade wieder herzustellen.

„Tag it. Cross it. Waiting for great bombings“

An die Arbeit!

 

„Time for Art“

„Art Attack“ in der Bergiusstraße 12.


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11 Kommentare

  1. Pingback: Art Attack auf inside Ottensen | Iven Einszehn: ALL YOU CAN ART

  2. Irgendwo nachts ein paar tags hinzurotzen hat meiner Meinung nach mit street art einfach nix zu tun. Da markieren ein paar Typen ihr Revier wie die Hunde. Und politisch finde ich das auch nicht. Ich wohne als Mieterin in einem Haus in Ottensen was regelmäßig getagt und mit „Abwertung“ und dergleichen markiert wird. Ich fühl mich dadurch nur beschimpft und finds richtig scheiße. Als street artist würd ich über die Typen kotzen!

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