Bahrenfelder Straße 177/179 – Damals und heute

Nachdem im Winter 2015 nach langer Bauzeit das sogenannte ‚Zeißquartier‚ in der Bahrenfelder Straße 184-192 fertiggestellt wurde, wird ab Juli 2016 nun auch das gegenüberliegende Grundstück „aufgewertet“ und nachverdichtet. Das ehemalige Grundstück des Lichtspielhauses „Der Spiegel“, und heutige Gebäude der Hamburger Sparkasse wird laut diverser Informationen (u.a.Haspa) im Juli 2016 abgerissen und einem Neubau weichen.

Haspa-Gebäude

Das Gebäude wurde 1948 auf dem Grundstück zweier im Krieg zerstörter Häuser von den Architekten Kurt Tripcke/Tinneberg & von Berg (Quelle) geplant und 1950 schließlich errichtet. Ürsprünglich wurde ein viergeschossiges Wohnhaus erdacht.

 

Aus den Norddeutschen Nachrichten 9.11.1950 – Quelle: Stadtteilarchiv Ottensen

Das Konzept kam letzendlich aber nur zweigeschossig zur Ausführung. In das Erdgeschoss zog das Kino ein, das 1.OG wurde für Wohnungen gebaut. Das Kino eröffnete im November 1950 mit dem Film „Mädchen mit Beziehungen“.

 

Spiegel-Kino-Zeitung

Aus den Norddeutschen Nachrichten 9.11.1950 – Quelle: Stadtteilarchiv Ottensen

Das Foyer des Kinos nahm die gesamte Frontseite in Anspruch. Der Mittelteil der Fassade wurde in der Art von großflächigen Schaufenstern verglast. Der Kinosaal war trapezförmig gebaut und wurde zur Leinwand hin schmaler. Das Gestühl fiel zur Leinwand hin ab. Die Decke des Saales schwang sich von der Vorführbühne in vier überlappenden Wellen zur Leinwand, was eine hohe akustische Wirksamkeit erzielte. Die Seitenwände des Saales waren mit Stoff bespannt. Das Kino mit ca. 500 Plätzen (zeitweilig ca. 565 Sitze) wurde 1958 mit einem Cinemascope-Projektor ausgestattet.

 

1975 „Spiegel“-Kino in der Bahrenfelderstraße. Foto: Stadtteilarchiv Ottensen

Die Hamburger Sparkasse ist bereits seit 1982 im Besitz des Grundstückes. Ursprünglich war ein sofortiger Abriss des Kinos geplant, um eine neue Bank-Filliale zu errichten. Um das zu verhindern, wurde der Spiegel im Frühjahr 1983 für ein halbes Jahr unter vorläufigem Denkmalschutz gestellt. Als Kinobau vor 1965 in Hamburg habe es eine besondere künstlerische und geschichtliche Bedeutung, und somit bestehe ein öffentliches Interesse an seiner Erhaltung – so die Begrüdnung. Letztendlich wurde das Denkmalschutzverfahren im Sommer 1983 jedoch eingestellt, woraufhin die Haspa eine Filiale dort errichtete. Das Kino wurde von der äußeren Erscheinung als nicht schützenswert eingestuft. Als schützenswert galt nur der Kinosaal, wenn er weiter als Kino genutzt werden könnte, was jedoch nicht den Plänen des neuen Eigentümers entsprach. Dieser hatte ohnehin bereits das Saalinnere verändert wurde und das Gestühl entfernt.

Foto: Stadtteilarchiv Ottensen

Ein Bauantrag mit Geschosshöhe für das kommende Gebäude ist bisher noch nicht öffentlich gemacht worden. Gerüchte sprechen teilweise von ledglich 2,5 bis hin zu 5-Geschossen.

bahrenfelder-str-2015

In dem kürzlich veröffentlichten Buch:Mitten durch Ottensen – Bahrenfelder Straße“ sind weitere interessante Anekdoten und Fotos des Gebäudes sowie der gesamten Bahrenfelder Straße zu sehen. Wer weitere Aufnahmen vom Inneren hat, darf sich gerne bei Inside Ottensen oder dem Stadtteilarchiv Ottensen melden!

 

Quelle: www.stadtteilarchiv-ottensen.de und www.filmmuseum-hamburg.de

3 Kommentare

  1. Ach ja, „Das Spiegel“, Märchenfilme Sonntags morgens um 10 Uhr. Später dann James Bond, Saturday Night Fever und Blues Brothers. Kurz vor dem endgültigen Untergang hat man es noch als Non-Stop Kino mit Kung-Fu-, Zombie und sonstigem Trash versucht. Eintritt 50 Pfenning mit durchgehendem Einlaß. Wenn man sich denn getraut hat…

  2. Constanze B.

    Warum wohl 1950 dort nicht schon höher gebaut werden durfte, so wie in dem gezeigten Entwurf, der nicht zur Ausführung kam. Dann hätten wir da heute einen 50er- Jahre-Bau mit sicher billigeren Wohnungen, als die, die da jetzt entstehen werden. Und auch die Architektur wäre abwechslungsreicher. So kann man sich ja schon vorstellen, wie es aussehen wird….etwa so wie Aldi.

  3. olaf kassner

    Das Spiegelkino, herrliche Zeit. Wir waren ungefähr 13, da haben wir Zombiefilme, Shaw Brothers und Bruce Lee Filme, sowie die geilen japanischen Godzilla Filme geguckt. Das war eine tolle Zeit damals…

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