Baumfällungen in der Erzbergerstraße

Eine Neugestaltung des öffentlichen Raumes soll demnächst in der Erzbergerstraße ‚dank‘ eines „zuverlässigen“ Investors umgesetzt werden. Es geht um eine Verschönerung der vom Bezirk vernachlässigten Fläche in der Mitte der Straße. Unter anderem sollen dafür die haushohen Bäume, trotz andauernder Lebenserwartung, vorbeugend gefällt werden.

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Die beiden Bäume in der Erzbergerstraße. Foto: CC 3.0 by StarO

Den Deal mit dem Investor hatte, laut Infos, der ehemalige Baudezernent Dr. Gütter eingefädelt. Als ausgemacht gilt: der Investor wird für die Neugestaltung des Platzes großzügig einen Teil der Kosten übernehmen. Im Gegenzug erhielt er bereits das Sonderrecht einer Außengastronomie. Allerdings auf dem Bürgersteig vor seinem Gebäude am Spritzenplatz 5. Dort hat der Bezirk daher acht Fahrradbügel beseitigen lassen. Offenbar hatte es Schwierigkeiten mit der Vermietung der (überteuerten) Ladenfläche am exklusiv sanierten Gebäude („Fette Höfe“) gegeben. Nur mit Außengastronomie sei die Wirtschaftlichkeit von interessierten Mietern/Gastronomen dort gegeben, lamentierte der Eigentümer. Seit einiger Zeit versucht sich nun also das Café ‚Liebes Bisschen‘ an dieser Adresse. An sonnigen Tagen wird mittels zahllosen Tischen auf dem dazu gewonnenen Bürgersteig versucht, die Kundschaft ‚abzubremsen‘ und zur Einkehr reingelockt. Die Gewerbefläche nebenan, steht seit Ewigkeiten leer. Nun bangt der Bezirk sicher, ob der Investor auch zu seinem Wort steht, wenn es an die Neugestaltung des Platzes geht.

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Pläne der Umgestaltung auf der Mittelinsel Erzbergerstraße. Quelle: Bezirksamt Altona

Das Todesurteil der Bäume? 

Über das Gutachten der ca. 90 Jahre alten Bäume berichtet das Bezirksamt Altona. Sie schreiben, das Gutachten weist Aussagen über „diverse Defizite“ der Bäume nach. Die Wurzelsysteme hätten 1996 „durch Baumaßnahmen erheblich Beschädigungen erlitten und stellen ein unkontrollierbares Risiko dar“. In der Vergangenheit sei es zu gelegentlichen „Grünastabbrüchen gekommen, wodurch ein erhebliches Risiko für die Verkehrssicherheit bestünde“. Außerdem berichtet das Bezirksamt, die Bäume hätten eine „eingeschränkte Bruchsicherheit durch massive Faulstellen an den Kappungsstellen in der Kronenperipherie.“

„Unter Abwägung des Alters, der Reststandzeit und nicht zu beeinflussender Risiken, wird eine Fällung unter der Voraussetzung einer Nachpflanzung von Solitärlaubbäuumen befürwortet.“  – Bezirksamt Altona

Die Bäume sollen daher von Zierkirschen ersetzt werden. Zierkirschen gelten als „Zukunftsbäume“, weil sie dem Klimastress in Städten besser standhalten. Sie erreichen eine Höhe von 3-8 Metern.

UPDATE: Inzwischen hat Inside Ottensen die Stellungnahme des Bezirks und das Gutachten miteinander verglichen. Die Stellungnahme, auf welche sich dieser Blogartikel bezieht, weist eklatante Ungereimtheiten auf. Den neuen Artikel findet man HIER.

9 Kommentare

  1. Das sind sehr schlechte Nachrichten aus der Nachbarschaft. Die beiden Pappeln sind eine Freude für die Augen und würden dort schmerzlich vermisst werden. Erst demoliert man die Bäume durch Baumaßnahmen, jetzt sollen sie weichen weil die Außengastronomie mehr Platz benötigt? Das kann doch nicht wahr sein. Sind wir noch in Ottensen, wo gegen solchen und ähnlichen Unsinn angegangen wird? Das Café glänzt übrigens vor allem durch überhöhte Preise und schlechten Service.

  2. Als man Ende der achtziger Jahre die Fläche schon einmal umgestaltet hat (so, wie sie heute ist), hat man vorher noch eine öffentliche Anhörung gemacht und die Anwohner nach ihrer Meinung gefragt. Das scheint man heute nicht mehr nötig zu haben.

    • Freimensch

      Nee, wäre ja auch etwas übertrieben, jetzt über eine etwas größere Verkehrsinsel einen Bprgerentscheid zu machen. 🙂

  3. Man legt einem Steine in die Hand, die man nie werfen wollte.
    Sie werden aber immer schwerer und bevor sie mir aus der Hand fallen, will ich sie werfen.
    Nur für mich .

  4. Pingback: Zweifelhafte Stellungnahme des Bezirks zum Baumgutachten "Erzbergerstraße"

  5. Freimensch

    Nein, da wo die Bäume stehen, soll keine Außengastronomie hin. Der Gewerbetreibende übernimmt die Verschönerung der Grünfläche mit den Bäumen und bekommt dafür eine Genehmigung für Außengastronomie auf dem Bürgersteig vor seinem Gebäude am Spritzenplatz 5.

    Außengatronomie auf dem Bürgersteig gibt es in Ottensen ja überall und macht auch den Charme aus.

    Der Investor hat kein Interesse, die Bäume zu fällen, muss dieses aber machen, wenn das Bezirksamt festgestellt hat, dass diese nicht mehr standsicher sind.

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