Auf den Spuren des Viertels – 45 Studenten entdecken Ottensen

Rundgang von Inside Ottensen mit BTK Studierenden des 1. Semesters zur Begruessung am Campus Hamburg.

BTK-Studierende des 1. Semesters im Heine-Park in Hamburg-Ottensen.

Vor einigen Monaten hatte ich auf diesem Blog die Resultate eines Illustrations-Projekts der Hochschule für Gestaltung BTK in Hamburg-Altona beleuchtet. Bei dem Projekt wurden vom Erstsemester-Jahrgang Übersichtspläne der Umgebung ihrer Uni gezeichnet. Es fiel auf, dass die Studenten ganz offensichtlich noch nicht sehr lange in Altona sind. Die Inhalte der Pläne waren etwas lückenhaft und wenig schmeichelhaft für die Vielfalt, die Altona/Ottensen eigentlich zu bieten hat.

Ottensen erkunden – Aber richtig! 

Nach Veröffentlichung des Artikels, wandte sich die Universität an Inside Ottensen, mit der Frage ob ich behilflich sein könnte die Umgebung für zukünftige Neu-Studenten näher vorzustellen. Die Idee eines Stadtteil-Rundgangs lag zunächst in der Luft. Doch vom Anblick großer Gruppen, welche sich seit einiger Zeit für 33€ pro Nase durch das Viertel schieben lassen, dabei Bürgersteige blockieren, alle 50m die angesagtesten Szene-Backwaren futtern und sich dabei ein paar Instant-Anekdoten Mottenburger Historie erzählen lassen, bekommt mittlerweile jeder noch so tolerante Ottenser völlig zurecht leichten Ausschlag. Von daher kam eine Gruppenführung durch Ottensen unter keinen Umständen in Frage.

Eine Absage an die Hochschule sollte aber auch keine Option sein. Die Studenten sollten eine Chance bekommen die wirklichen Vorzüge des Viertels zu entdecken, sowie seine Menschen, Lebensformen und Einrichtungen abseits des Konsums kennenzulernen. Im Bestfall sollen die Studenten während ihres Studiums vom Viertel inspiriert werden, Verbindungen knüpfen, es mitgestalten und die Vielfältigkeit aufrecht erhalten, welche mühsam aufgebaut wurde und derzeit in die Knie gezwungen wird. Auf jeden Fall sollten die ersten Ottenser die sie treffen, keine verbitterten „das-Viertel-ist-doch-eh-tot“-Menschen sein.

Rundgang von Inside Ottensen mit BTK Studierenden des 1. Semesters zur Begruessung am Campus Hamburg.

Rüdiger Holst erklärt Wissenswertes aus dem Ottensener Werkhof. Foto: BTK Hamburg

Das Konzept

Nach vierwöchiger arbeitsreicher Planungsphase war es soweit. Inzwischen hatten sich 52 Studenten an der Hochschule eingeschrieben, wovon insgesamt 45 das Angebot wahrnahmen den Stadtteil kennenzulernen. Ich teilte sie in 6 Gruppen auf, wovon jede Gruppe auf eigene Faust einen individuellen vorher festgelegten Spaziergang durch Ottensen unternehmen musste. Die Routen waren mit jeweils 38 Stationen gespickt. Einige Routen überschnitten sich zwar hier und dort, doch versuchte ich die Teilnehmer so ins Rennen zu schicken, dass die Gruppen sich nicht in die Quere kamen. An jedem Ort wurde eine Frage mit historischem, politischen, kulturellem oder einfach statistischem Hintergrund gestellt. Ich präsentierte ihnen zu jeder Frage drei Antwortmöglichkeiten und achtete darauf, dass die korrekte Antwort nicht per Smartphone zu googeln sei. Wesentliche Infos die ich transportieren wollte, hatte ich daher bereits in der Fragestellung platziert. Für die Lösungen war Teamarbeit, Denkvermögen und oftmals ein gutes Auge gefragt. Es ging darum vor Ort selbst zu entdecken und zwischendurch anhand von kniffligen Fragen unbedingt in den Dialog mit Ottensern zu kommen.

Die Durchführung

Überall dort, wo die Studierenden hinkamen, weihte ich Ottenser in das Projekt ein, welche entweder die Ankunft der Studenten erwarteten oder etwas für sie vorbereiteten (z.B. die Siebdruckerei BÄNG oder das Stadtteilarchiv Ottensen). Die Künstlerin Carmen Oberst hat die Studenten in ihrem Atelier sogar an einem eigens arrangierten Ratespiel eingebunden und filmte dies für ihr aktuelles Comic-Film-Projekt.

Halbzeit in der MOTTE

Für den Rundgang hatten die Gruppen ca. 4 Stunden Zeit. Alle Routen führten auf halber Strecke am Stadtteilkulturzentrum MOTTE vorbei, wo jeder eine kleine Pause einlegen konnte. Bei Snacks und Getränken wurde eine Auswertung der bis hierhin gelösten Aufgaben vorgenommen. Anhand der ersten hier eingereichten Fotos, war zu erkennen, dass sich die Studenten mehr als gefordert im Stadtteil umguckten. Es wurde von zahllosen Begegnungen wie z.B. mit einem Imker oder von einer beharrlicher Recherche in den Gängen des Bezirksamts Altona erzählt. Bei den Fragen wurde sehr gewissenhaft angekreuzt, so dass nur wenige Fehler gemacht wurden. Nachfragen bzgl. einiger Aufgaben wurden in der MOTTE von mir beantwortet.

Rundgang von Inside Ottensen mit BTK Studierenden des 1. Semesters zur Begruessung am Campus Hamburg.

Lösungssuche am Gustav Oelsner-Schaufenster von Andre Kurz in der Bunsenstraße. Foto: BTK Hamburg

Fazit & Fotos

Gegen 16 Uhr erfolgte in dem Gebäude der Hochschule die finale Auswertung. Mit jeweils nur einem Fehler waren zwei Gruppen punktgleich. Ihr Gewinn waren Eintrittskarten für das Lichtmeß-Kino. Anhand der gemachten Fotos ließ sich erkennen, dass die Studenten wirklich einen umfassenden Blick hinter die Kulissen des Viertels erhalten haben, sich nun besser auskennen und ggf. den Ottensen-Spirit verstehen. Außerdem hat es sicherlich das Gemeinschaftsgefühl gestärkt und einen Teil zum gegenseitigen Kennenlernen beigetragen.

Für die Durchführung danke ich der Unterstützung durch:

FABRIK Hamburg (Rosi, Christel, Katharina, Jutta, Melina), MOTTE (Stefan Küper), Stadtteilarchiv Ottensen (Brigitte Abramowski und Michael Sandmann), Photo*Kunst*Raum (Carmen Oberst), Siebdruckerei BÄNG (Helge Henke), Lichtmeß Kino (Carsten Knoop), Radhaus Altona (Rüdiger Holst), der ganze Ottenser Werkhof, Christianskirche Ottensen, Monsun Theater, die Galerie Wasserspiegel, Laundrette OttensenAltonaer Museum, Friedensblitz, Bezirksamt Altona, die zahlreichen auskunfstfreudigen Ottenser, Heike Ollertz & Frederike Groß von der BTK Hamburg uvm.

Interesse an einer ähnlichen Entdeckungstour? Contact me: info@inside-ottensen.de

Knock knock! Ein Anwohner in der Zeißstraße hilft aus. Foto: BTK Hamburg

Inside Ottensen Rundgaenge 2016 / BTK

Siebdruckerei BÄNG im Hohenesch. Hier löst Mitarbeiter Helge Henke ein Rätsel auf. Foto: BTK Hamburg

Studenten zu Besuch im Atelier von Carmen Oberst. Foto: BTK Hamburg

Wie war das damals mit der Volxküche? Im Eisenstein gibt es die Aufklärung. Foto: BTK Hamburg

Inside Ottensen Rundgaenge 2016 / BTK

Melina, Mitarbeiter der FABRIK klärt über die Historie des Kulturzentrums auf. Foto: BTK Hamburg

Inside Ottensen Rundgaenge 2016 / BTK

Orientierung in der Bahrenfelder Straße. Foto: BTK Hamburg

Inside Ottensen Rundgaenge 2016 / BTK

Der Künstler Milo Lohnse war Ansprechpartner in der Christianskirche Ottensen. Foto: BTK Hamburg

Auch das Altonaer Museum gab den Studenten gerne Auskunft. Foto: BTK Hamburg

Ottensen Rundgang von BTK Erstsemesterstudenten mit "Inside Ottensen".

Ottensen Rundgang von BTK Erstsemesterstudenten mit „Inside Ottensen“.

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Beusch bei Carmen Oberst Im HInterhof vom Monsun Theater. Foto: Carmen Oberst

Inside Ottensen Rundgaenge 2016 / BTK

Pausenstopp in der MOTTE. Foto: BTK Hamburg

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Historische Ottenser Architektur. Foto: BTK Hamburg

Rundgang von Inside Ottensen mit BTK Studierenden des 1. Semesters zur Begruessung am Campus Hamburg.

Studenten versammeln sich für das Videoprojekt von Carmen Oberst. Foto: BTK Hamburg

Rundgang von Inside Ottensen mit BTK Studierenden des 1. Semesters zur Begruessung am Campus Hamburg.

Rundgang von Inside Ottensen mit BTK Studierenden des 1. Semesters. Foto: BTK Hamburg

Recherche am Wandbild von Hildegund Schuster. Foto: BTK Hamburg.

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Zu Besuch im Atelier von Carmen Oberst. Foto: Carmen Oberst

Ottensen Rundgang von BTK Erstsemesterstudenten mit "Inside Ottensen".

Ottensen Rundgang von BTK Erstsemesterstudenten mit „Inside Ottensen“. Foto: BTK Hamburg

Ottensen Rundgang von BTK Erstsemesterstudenten mit "Inside Ottensen".

Kunst aus Ottensen – Die Gaöerie „Wasserspiegel“ von Knud Plambeck. Foto: BTK Hamburg

Rundgang von Inside Ottensen mit BTK Studierenden des 1. Semesters zur Begruessung am Campus Hamburg.

Einige Routen führten auch in die Fabrik wo sich die Studenten umgucken konnten. Foto: BTK Hamburg

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Besichtigung der Christianskirche in Ottensen. Foto: BTK Hamburg

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Im Gespräch mit einer Mitarbeiterin der Ottenser Buchhandlung Christiansen. Foto: BTK Hamburg

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Auch über den Dächern mussten Fragen zu Ottensen und der Baustelle ‚Mitte Altona‘ gelöst werden. Foto: BTK HH

Rundgang von Inside Ottensen mit BTK Studierenden des 1. Semesters zur Begruessung am Campus Hamburg.

Besichtigung der Fabrik. Foto: BTK Hamburg

Inside Ottensen Rundgaenge 2016 / BTK

Alle Routen beinhalteten auch Fragen die einen Blick auf die Elbe erforderlich machten. Foto: BTK Hamburg

 

Inside Ottensen Rundgaenge 2016 / BTK

Schaukästen des Stadtteilarchivs waren beliebte Recherchehilfen. Foto: BTK Hamburg

Inside Ottensen Rundgaenge 2016 / BTK

Auch die Zeisehallen wurden besichtigt. Foto: BTK Hamburg

Inside Ottensen Rundgaenge 2016 / BTK

Im Gespräch mit Bauarbeitern von ZEISE2. Foto: BTK Hamburg

Ottensen Rundgang von BTK Erstsemesterstudenten mit "Inside Ottensen".

Die kontroverse Historie des Restaurants Eisenstein wird recherchiert. Foto: BTK Hamburg

Die jüdischen Gedenktafeln im Mercado werden entdeckt. Foto: BTK Hamburg

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Am Grab des Dichters Friedrich Klopstock. Foto: BTK Hamburg

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Farbrikhistorie am Gebäude des Carlsen Verlags. Foto: BTK Hamburg

Rundgang von Inside Ottensen mit BTK Studierenden des 1. Semesters zur Begruessung am Campus Hamburg.

Rundgang von Inside Ottensen mit BTK Studierenden des 1. Semesters. Foto: BTK Hamburg

Besichtigung des Motte-Hühnerhofs. Foto: BTK Hamburg

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Im Atelier von Carmen Oberst. Foto: BTK Hamburg

Rundgang von Inside Ottensen mit BTK Studierenden des 1. Semesters zur Begruessung am Campus Hamburg.

Kohlekraftwerk oder Atomkraftwerk? Was qualmt dort im Hamburger Hafen?. Foto: BTK Hamburg

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Die Gewinner. Foto: BTK Hamburg

4 Kommentare

  1. Vielen Dank für Deine schönen Ideen und Danke an alle beteiligten OttensenerInnen!
    Als Ottenser „Kind“ habe ich mich besonders gefreut über soviel Offenheit und Bereitschaft die jungen StudentInnen im Viertel willkommen zu heißen.

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