Alles im Flux – Neues Mural im Motte-Hinterhof

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Moral von Daniel Thoux. Zum vergrößern: Klick!

Betritt man neuerdings den MOTTE-Hinterhof, das ökologische Kleinod zwischen Rothe- und Eulenstraße, erblickt man unweigerlich eine neue farbenfrohe Kulisse. Die vormals graue Wand des 3-geschossigen FRISE-Gebäudes, wurde vom Heidelberger Künstler Daniel Thouw  gestaltet. Fünf volle Arbeitstage hat er dafür benötigt. Verantwortlich für die Organisation war die namhafte Hamburger Künstlergruppe getting-up, welche seit Jahren die Urban-Art-Aktionen im Rahmen des STAMP-Festivals verantwortet und kuratiert.

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Motte-Garten

Daniel Thouw

 

Vom Stylewriting zur Quantenphysik

Als in den 90er Jahren die Begriffe Urban-Art und Street-Art noch nicht so gebräuchlich waren, war Daniel Thouw schlicht Graffiti-Sprüher. 1991 begann er ganz klassisch mit dem Stylewriting von Buchstaben. Einige Jahre später entwickelte er das Talent comic-artige Figuren zu sprühen (sog. ‚Character‘). Mit dieser vielseitigen Gabe war er dann ab 1995 in der Lage, Geld mit Auftragsgraffiti zu verdienen. Nach Beendigung der Schule lag es für ihn nahe, ein Studium zum Bachelor of Fine Arts anzustreben, welches er einige Jahre später in Kalifornien abschloss.

Das nächtliche illegale Stylewriting, als auch die legalen Graffiti-Aufträge für ortsansässige Bowlingbahnen oder Autowerkstätten etc. sind längst Vergangenheit. Aus seinen Comicfiguren sind menschliche Antlitze geworden. Außerdem beschäftigt sich Daniel Thouw inzwischen mit den Phänomenen der Quantenphysik. Diese beiden Komponenten sind es, aus denen sich heutzutage seine Gemälde zusammensetzen.

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„Making way“ – Das Mural in Ottensen

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Skizze [Quelle: Digital Freedom Wall]

Bei seinem Wandbild in Ottensen erkennt man zwei Köpfe die ineinander verwebt sind. Die gleiche Person in unterschiedlicher Position. Aus der Ferne betrachtet möchte der Künstler, dass sein Bild wie in einer konstanten Bewegung erscheint, in welcher alles rotiert und schwingt, sozusagen in einem Flux. Thouw benutzt diese und andere Vokabeln aus der Physik um die Elemente des Gemäldes zu beschreiben: „Aus wissenschaftlicher Sicht betrachtet, beginnt alles was man wahrnimmt eigentlich mit einer Welle, einer Frequenz, welche durch den Menschen, mithilfe seiner Augen und seinem Gehirn, in Realität umgewandelt wird. Die Frequenzen erscheinen uns in Farben, Formen, Licht, Schatten usw.“ Von diesem Prozess ist Daniel Thouw inspiriert, das wird deutlich wenn er ausführlich darüber spricht und als Beispiel das berüchtigte Doppelspalt-Experiment erläutert, um die Hintergründe seines Schaffens verständlich zu machen. Was die auf der Motte-Wand dargestellten Köpfe umringt, sind also seine eigenen visuellen Interpretationen vom Mikrokosmos. Diese entstanden während des Malens sogar aus freier Hand. Lediglich die Köpfe waren vorher als Grundstruktur skizziert. Er überlässt vieles seinem eigenen künstlerischen Fluss.

„Wie ich es auch in meinen Leben bevorzuge, gebe ich meinen Bilder eine Struktur. Innerhalb dieser möchte ich aber offen bleiben … nicht zu festgelegt.“

 

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Das fertige Mural.

Freedom-Projekt 

Das Kunstwerk ist eines von insgesamt drei neuen Wandbildern in Ottensen, welche alle zum EU-geförderten Projekt FREEDOM gehören. Das Altonaer Stadtteilkulturzentrum HAUS DREI ist deutscher Partner der europäischen Zusammenarbeit, welche zum Ziel hat die Werte Demokratie und Freiheit auf künstlerische Weise aufzugreifen. Dies wird in Altona jährlich in Form des STAMP-Festivals verwirklicht. Das Wandbild von Daniel Thouw gehörte hierbei zu der Kategorie Urban-Art. Wer als Künstler Teil des FREEDOM-Projekts werden möchte, kann sich bei www.digitalfreedomwall.eu melden. Die diesjährigen Bewerbungsphasen für Wandgemälde sind allerdings bereits beendet.

Die Künstlergruppe ‚getting-up‘ 

Ansprechpartner für kreative Bearbeitung von Wandflächen ist die Hamburger Ateliergemeinschaft getting-up, welche nicht nur die Urban-Art Ausstellung des STAMP-Festival kuratiert, sondern sich bereits weltweit für Projekte verdient gemacht hat. Einen Überblick über ihre  beeindruckenden Realisierungen bekommt man auf der Homepage www.getting-up.org. Die Kontaktadresse lautet: contact@getting-up.org

Wer direkt mit Daniel Thouw Kontakt aufnehmen möchte, erreicht ihn über seine Homepage www.danielthouw.com Von einem anderen kürzlich realisierten Projekt gibt es HIER auch ein tolles Video.

Mural

Text & Fotos: Dirk Aye

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