Rumgeflickt – Die kommende Radverkehrsführung in Ottensen

Die Diskussionen um die bisher zulässige Radverkehrsführung in der Ottenser Fußgängerzone ist entschieden. Die Regelung „Radfahrer frei“ wurde endgültig aufgehoben. Zur „Neuordnung und Optimierung der Fahrradbeziehungen in Ottensen“, präsentierte das Bezirksamt Altona jetzt Pläne einer neuen Radführung. Der Bereich soll zukünftig über den Hahnenkamp und die Große Rainstraße umfahren werden, sofern man das Rad nicht durch die Fußgängerzone schieben möchte. Große Rainstraße und Hahnenkamp sollen ab Frühjahr/Sommer 2017 teilweise erheblich umgestaltet werden. Auch die Radwegführung auf dem Paul-Nevermann-Platz soll ‚angepasst‘ werden. Nach „Fahrradstadt“ sehen die Pläne nicht aus.

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Hier wird auch umgebaut. Die Taxistandplätze am Paul-Nevermann-Platz. Foto: Inside Ottensen

Hintergrund 

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Im Februar 2015 hatte das Polizeikommissariat 21 das Fahrradfahren in der Fußgängerzone erstmals verboten. Grund war eine Unfallerhebung. Die Auswertung, in welche nur Unfälle mit Personenschäden einflossen, ergab in drei Jahren 5 Unfälle mit Radfahrerbeteiligung (3x Fußgänger/Radfahrer; 2x Radfahrer/Radfahrer). Außerdem 4 Verkehrsunfälle durch Lieferverkehr. Desweiteren stützen sie das Verbot auf eine Verfügung des Bezirksamtes Altona vom 17.05.1979. Hierin ist die Widmung der Ottenser Hauptstraße ausschließlich auf den Fußgängerverkehr und Wirtschaftsverkehr der Anlieger beschränkt.

Umbauten für die neue Radverkehrsführung:

bildschirmfoto-2016-10-12-um-19-20-00Vorweg: überall wird ein wenig gebaut, verändert und geflickt (grün markiert). Eine deutliche, beispielsweise auf dem Straßenbelag markierte und durchgehende Radwegführung, wird nicht realisiert. Das Ergebnis der Planung trägt nicht das Prädikat: „Fahrradstadt“. Aus wirklichen Fahrradstädten kennt man bessere Lösungen.

1. Paul-Nevermann-Platz:

„Um den Radverkehr von den Fußgängern am Altonaer Bahnhof zu trennen, wird ein 2,50 m breiter Radweg provisorisch abmarkiert und auf die Fahrbahn an den Taxiständen vorbei geleitet.“

Einschätzung: An den Taxiständen wird es eng. Dort stehen und fahren nicht nur Taxen, sondern auch die Einsatzfahrzeuge der Bundespolizei.

 

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2. Hahnenkamp: 

Der Radverkehr wird im Hahnenkamp auf die Fahrbahn geleitet. Dafür wird die Straße  umgebaut und verengt „um die Geschwindigkeit des KFZ-Verkehrs zu reduzieren und die Aufmerksamkeit der Fahrer zu erhöhen“. Statt einer einseitigen, wird es eine beidseitige Fahrbahn-Einengung geben. 13 von aktuell 27 Parkplätzen werden für diese Maßnahme entfernt. Für den Radverkehr Richtung Zeißstraße, wird zwischen unterer Kreuzung und Zeißstraße ein 3 m breiter Verbindungs-Radweg hergestellt.

Einschätzung: Auch hier wird es bei hohem Verkehrsaufkommen für die Radfahrer eng. Es gibt keine eigene markierte Trasse oder Schutzstreifen. Das Verkehrsaufkommen durch Busse  und  Lieferverkehr des Mercado ist hoch. Außerdem stauen sich hier stets die Autos an der Zu- und Ausfahrt des Parkhauses. Sollte die KFZ-Durchfahrt zum Hohenesch auch geöffnet werden, wird es einen zusätzlichen Durchgangsverkehr geben. Wenig fahrradfreundliche Lösung.

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Hanhenkamp. Foto: ARGUS

3. Große Rainstraße: 

Auf dem Stück zwischen Bahrenfelder Straße und Kleine Rainstraße wird der Radverkehr in beiden Richtungen auf die Fahrbahn geführt. Die Straße wird hierfür zukünftig asphaltiert. Im Übergangsbereich zur Bahrenfelder Straße wird ein Verbindungs-Radweg zur Ottenser Hauptstraße geschaffen und die Fahrbahn mit einer Auftrittshöhe von 3 cm aufgehöht. Auf dem oberen Stück werden zwei von elf Parkplätzen entfernt. Die übrige Teil der Großen Rainstraße bleibt unangetastet.

Einschätzung: Statt eine Fahrradtrasse über die komplette Länge der Straße zu realisieren, wird rumgeflickt. Konsequent wäre, auf einer Seite der Straße die Parkplätze durch eine ausreichend breite Fahrradspur zu ersetzen.

4. Ottenser Hauptstraße: 

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Obwohl die Straße eine wichtige Ost-West-Verbindung ist – und Radfahrer die Geschäfte dort gezielt anfahren wollen – wird der Bereich zwischen Ottenser Hauptstraße und Altonaer Bahnhof nur noch von 20 bis 8 Uhr freigegeben.

„Durch die Umfahrung über die Große Rainstraße, wird an der Kreuzung Ottenser Hauptstraße / Bahrenfelder Straße, ein neuer Zweirichtungsradweg als Verbindung zur Großen Rainstraße geschaffen.“

Einschätzung: Der Radverkehr wird aus der wichtigen Verkehrsverbindung in Ottensen verbannt. Mal sehen wie der Radweg unmittelbar zwischen dem Ottenser Torbogen und den Außentischen von Möllers Eck später mal aussieht und funktionieren wird.


Quelle:             Bezirksamt Altona 
Entwurfspläne:      Argus Stadt- und Verkehrsplanung

4 Kommentare

  1. Der Fußgängerbereich, wie die Fußgängerzone laut Straßenverkehrsordnung (StVO) heißt, ist eine Verkehrsfläche, die generell nur von Fußgängern genutzt werden darf. Anderen Verkehrsteilnehmern ist die Zufahrt prinzipiell untersagt, es sei denn, die Nutzung wird ihnen durch entsprechende Beschilderung erlaubt.

    Ist die Fußgängerzone auch für andere Verkehrsteilnehmer, also z. B. für den Lieferverkehr oder Fahrradfahrer, freigegeben, sind diese den Fußgängern gegenüber untergeordnet. Sie müssen auf die Fußgänger Rücksicht nehmen, ihre Geschwindigkeit dem Fußgängerverkehr anpassen und wenn nötig, warten, bis die Fußgänger den Weg freigeben.

    • Freimensch

      Ja, aber das ist städtebaulich bedingt. Dieses kurze Stück verbindet ja zwei Straßen, die sonst Sackgassen wären und wi kein Wendeplatz möglich wäre.

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