S-Bahn Ottensen – Planungschronik. Sinn. Barrierefreiheit(?)

In immer regelmäßigeren Abständen werden Neuigkeiten hinsichtlich der geplanten S-Bahnstation Ottensen bekannt. Baubeginn ist nun für 2018 geplant, die Eröffnung soll im Jahr 2020 erfolgen. Abgesehen von den ständigen Verschiebung des Baubeginns ist das größte Ärgernis sicherlich, dass der Westzugang (mit Fußgängerbrücke!) von der Deutschen Bahn nicht barrierefrei gebaut wird und der Bahnsteig nur zu einem kleinen Teil (28 von 140 Meter) überdacht ist. Aufgrund der Baukosten von fast 23 Millionen Euro, sowie der Tatsache dass viele Bürger die Distanz zwischen den jetzigen Station Bahnhof Altona und Bahrenfeld als ohnehin sehr kurz wahrnehmen, fällt außerdem oft die Frage ob die Haltestelle notwendig ist.

Betrachtet man die Übersicht des öffentlichen S/- und U-Bahn-Nahverkehrs fällt auf: das Netz in Altona und Eimsbüttel deckt zum Teil sehr dicht die Stadtviertel ab. Viele Bewohner in Eimsbüttel, Sternschanze, St. Pauli und Altona-Altstadt erreichen eine oder sogar zwei Bahnhaltestellen in einer Umgebung unter 500m.

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Karte: Google Satellite. Visualisierung: Inside Ottensen

Im Planungsgebiet der neuen Haltestelle Ottensen wird deutlich, dass hier eine große Lücke klafft. Profitieren werden vor allem das nördliche Ottensen, sowie das südliche Bahrenfeld. In beiden Gegenden wurde zuletzt nachverdichtet. Zudem werden Buslinien entlastet, welche sich auf dem Weg zum Bahnhof Altona durch Ottensen quälen müssen. Ob die 2,40m schmalen Zugänge am Osteingang (Bahrenfelder Steindamm) in den stark frequentieren Uhrzeiten ausreichend sein werden, wird sich beweisen müssen. Dies war einer der Kritikpunkte seitens der Stadt.

Nicht erschlossen: Neue Mitte Altona

Nicht im unmittelbaren Einzugsgebiet des Hamburger S-Bahn-Nahverkehrs ist die im Bau befindliche Mitte Altona, sowie weite Teile von Altona-Nord und Altona-Altstadt. Die Entfernung zu den umliegenden S-Bahnstationen beträgt vom Planungsgebiet Mitte Altona mitunter 1 Km. Würde die Haltestelle etwas östlicher gebaut (etwa in Höhe des Gleisdreiecks), wäre sie für dieses zukünftige Wohngebiet effektiver. Ob die Deutsche Bahn an dieser Stelle Grundstücke hätte kaufen müssen, ist unklar. Dies ist ihr beim jetzigen Standort erspart geblieben.

Karte: Google Satellite. Visualisierung: Inside Ottensen

Barrierefreiheit

Der Osteingang verfügt über einen barrierefreien Zugang. Laut Deutsche Bahn hat die Stadt Hamburg jedoch keine Barrierefreiheit für den Westeingang gefordert. Deswegen habe die Deutsche Bahn dies auch nicht in die Planungen aufgenommen. Im Mai 2013 hatte der Bezirk Altona die Wirtschaftsbehörde allerdings über einen Beschluß informiert, der Deutschen Bahn die Änderungsaufforderungen u.a. hinsichtlich Barrierefreiheit mitzuteilen. In den nun veröffentlichten  Planunterlagen ist zu lesen, dass die Barrierefreiheit am Westzugang angeblich nicht Bestandteil der Aufgabenstellung gewesen sei. In 2014 hieß es laut einer Senatsanfrage, die Kosten dafür wären zu teuer.

Quelle: Erläuterrungsbericht Punkt 3.1 -Deutsche Bahn

Haltestelle Ottensen. Chronik der Planung: 

Um die insgesamt seit 13 Jahren andauernde Planung der S-Bahnstation Ottensen mal etwas transparenter zu machen, hier die wichtigsten öffentlichen Meldungen des Projekts seit 2003.

2003

Der Planungsvertrag für die Entwurfsplanung der S-Bahnstation Ottensen wird zwischen der Deutschen Bahn AG und der Stadt Hamburg geschlossen. Quelle: Senatsanfrage von Klaus-Peter Hesse (CDU). Geplante Eröffnung: unbekannt. Geschätzte Baukosten: unbekannt


2011

Die Deutsche Bahn beginnt mit der Entwurfsplanung und startet am 29.9.2011 eine europaweite Ausschreibung. Die Finanzierung seitens der Stadt ist zu diesem Zeitpunkt noch ungeklärt. Geplante Eröffnung der Haltestelle: Anfang 2017. Geschätzte Baukosten: unbekannt


2013

Der Bezirk Altona veröffentlicht Vorentwurfsplanungen der Deutschen Bahn. Zwei Zugänge sind geplant. Der Haupteingang am Bahrenfelder Steindamm erhält einen barrierefreien Aufzug.   Auch von der Gaußstraße und der Daimlerstraße soll der Bahnsteig erreichbar sein (Westeingang). Auf dem 140 langen Bahnsteig soll sich lediglich ein 28m langes Dach erstrecken. Laut einem Beschluß vom 30.05.2013 hat der Bezirk Altona Änderungswünsche formuliert und die unzulänglichen Zugänge und Erschließungen der Station kritisiert. Die Fußgängerbrücke am Westzugang sei „zu provisorisch“. Außerdem wird verlangt, dass an diesem Eingang ein Fußgängertunnel gebaut wird und keine Brücke. Die Deutsche Bahn plant den Westeingang nicht barrierefrei.

Geplante Eröffnung: Anfang 2017. Geschätze Baukosten: 15 Millionen Euro


2014

Die Planungen verzögern sich. Die Stadt Hamburg hat sich mit der Deutschen Bahn noch nicht auf eine Finanzierung einigen können. Der Senat gibt zudem laut einer Senatsanfrage der Abgeordneten Klaus-Peter Hesse und Hans-Detlef Roock (CDU) vom 04.02.14.bekannt, dass einer barrierefreier Westzugang  zu teuer sei. Im Lauf des Jahres wird dann verkündet, dass man vor einer Einigung stehe. Das 18-monatige Planfeststellungsverfahren soll noch im selben Jahr beginnen.

Geplante Eröffnung: Ende 2017 / Anfang 2018. Geschätzte Baukosten: 15 Millionen Euro


2015

Ein neuer Fertigstellungstermin wird veröffentlicht. Außerdem wird bekannt, dass offenbar nach wie vor um die Aufteilung der Kosten verhandelt wird. Quelle: Senatsanfrage des Abgeordneten Hans-Detlef Roock (CDU).

Geplante Fertigstellung: Anfang 2020. Geschätze Baukosten: 16 Millionen Euro


2016 

Die Planfeststellungsunterlagen werden öffentlich. Der Bau soll nun im Jahr 2018 beginnen. Die Baukosten haben  sich um 8 Millionen Euro erhöht. Über die Kostenaufteilung für ein verlängertes Dach konnte sich offenbar nicht geeinigt werden. Es bleibt daher bei einem lediglich 28m langen Dach für den 140m langen Bahnsteig.

Geplante Fertigstellung: Sommer 2020. Geschätze Baukosten: 22 Millionen Euro

 

4 Kommentare

  1. Dazu wäre eine Stellungnahme der Stadt interessant. Wie kann es denn sein, dass 2018 ein Neubau beginnt der keine Barrierefreiheit an allen Eingängen vorsieht? Viele Menschen kämpfen heute um Inklusion und die Deutsche Bahn und die Stadt Hamburg legen solche Pläne vor ? Traurig!

  2. Olaf Scholz im Dezember 2015:
    Der Hamburger Senat nehme Barrierefreiheit und Inklusion sehr ernst, erklärte Scholz: „Wir bauen Wohnungen, die besonders für Menschen mit Behinderungen geeignet sind, wir sorgen dafür, dass immer mehr U-, S-Bahnen und Busse barrierefrei zugänglich sind…..“

    • inside ottensen

      Vielen Dank! Die Planfeststellungsunterlagen sind auch im allerletzten Abschnitt verlinkt.

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