Lachshäppchen vs. Gulaschkanone – Das Zeise2-Richtfest

Die einzig wahre Zusammenfassung der Ereignisse:

Hat gut lachen: Olaf Scholz mit dem goldenen Näschen für gute Geschäfte.

Richtfest mit Polizeischutz 

Am Donnerstag Mittag luden die in Ottensen unerwünschten Projektentwickler Quantum und Procom Invest zum Richtfest des Zeise2-Gebäudes in der Friedensallee ein. Aus diesem Grund trafen sich bei bestem Sonnenschein zwischenzeitlich an die hundert Ottenser Bürger vor der Baustelle, um stellvertretend für die 29.000 beim Bürgerentscheid betrogenen Altonaer zu signalisieren, dass man nach wie vor gegen das Bürogebäude ist.

Völlig verunsichert und sich der Tatsache bewusst, dass man zwar im Bezirksamt Altona und bei der Rot-Grünen Regierungskoalition ‚Friends‘ hat, aber bei den Ottensern auf hartnäckige Ablehnung trifft – sicherten zahlreiche Polizisten und Security-Leute das Richtfest für die Investoren ab.

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Professionelle Rumsteher und Böse-Gucker: Polizei Hamburg.

Lachshäppchen vs. Gulaschkanone 

Die ehrgeizigen Demonstranten hatten keine Kosten und Mühe gescheut und wurden vom renommierten „Eat the rich“ – Cateringservice verköstigt. Natürlich wurde hierfür die Gulaschkanone angeschmissen. Eine Hommage an Vater und Sohn Zeise, denn für die mobile Feldküche hatten Heinrich und Theodor Zeise im Jahr 1850 als Erste ein Patent angemeldet. Über soviel Raffinesse und Ottenser Geschichtsbewusstsein waren die zur Gulaschkanone nicht-geladenen Investoren äußerst zerknirscht und ließen verlauten:

„Punkt für Ottensen. Wir haben hier jetzt zwar ein Bürogebäude, aber überhaupt keine Ahnung von dem Viertel“  – Quantum

Procom Invest hatte einen miesen Reim parat:  „Ottenser zollen dem Namen Zeise Respekt – wir hingegen ziehen ihn nur in den Dreck!“

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Auf Investoren aufpassen macht hungrig. Der bürgernahe Beamte K. Vogelhubert mit den Sterneköchen von ‚Eat the rich‘

Geheimwaffe Hüpfburg

Doch damit nicht genug. Der kluge Ottenser vergaß auch während des gemütlichen Beisammenseins nicht was zu tun ist, um sich das kritische Denkvermögen zu bewahren: Kreislauf in Schwung halten! Denn nur wenn das Blut zirkuliert, funktioniert das Gehirn und kann Sinn und Unsinn von Bürogebäuden in einem dichtbebauten Stadtviertel mit Wohnungsknappheit objektiv bewerten. Daher wurde kurzerhand eine Hüpfburg aufgebaut.

Die beiden gestapelten Luftmatratzen wurden sofort rege genutzt. Nicht mithüpfen durfte Bezirksamtsleiterin Melzer. Sie äußerte sich neidvoll zu den sportlichen Aktivitäten in der Friedensallee:

„Das will ich auch mal machen. Mir fehlt mittlerweile jedweder Scharfsinn. Ich kann aber sehr gut mir vorbereitete Reden vorlesen. Meine Lieblingswörter sind dann: „Nach Recht und Gesetz!“

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Extra angereiste Hüpfburg-Spezialisten beim Aufbau der teuren Anlage.

Gaby Dobusch (SPD) will auch hüpfen, darf aber nicht. Ein Fachmann (rechts) kalibriert die Hüpfburg.

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Lange Schlange vor der Hüpfburg. Einer nach dem anderen durfte Körper und kritischen Geist trainieren.

Loser nahmen den Hinterausgang

Und während die Ottenser ihren Spaß hatten, verließen die ersten Zeise2-Gäste das Richtfest durch einen eiligst eingerichteten Hinterausgang. Andere bahnten sich verschämt ihren Weg durch einen Spalier von Pfiffen und Buh-Rufen. Diejenigen, die in Mottenburg ursprünglich mal antraten um Löcher in das System zu fressen, dinieren nun am Investoren-Buffet – statt sich mit 29.000 Altonaern für eine soziale Stadtentwicklung zu solidarisieren. Haben sie wirklich den Anspruch an sich selbst verloren? Eine Altonaer-Straßenfest Geschäftsführerin versuchte zu erklären:

„Man muss nicht hier draußen protestieren. Man kann auch auf anderen Ebenen seinen Unmut äußern.“

Womit sie durchaus Recht hat. Nur muss man davon irgendwann mal was sehen oder hören lassen. Mit gutem Beispiel voran ging Arachnes Faden. In der Nacht vor dem Richtfest, strickte sie ihren Protest gegen Zeise2 an einen Laternenpfahl

Für den guten Sound sorgte an diesem Tag übrigens Emin vom Organic Soundsystem. BIG UP!

 

Und hier nun noch mehr Bilder vom Protest:

 

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Zum Vergrößern: KLICK!

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Zum Vergrößern: KLICK!

 

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Gesche Boehlich (Fraktionsvorsitzende Grüne Altona) winkt ihren Nichtwählern zu.

 

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„Fuck u! Fickt euch“. Ein Schmierfink hat sich an den Baucontainern vereweigt.

 

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Im Viertel noch nie gesehene Menschen am Eingang des Richtfests. Sie werden das Viertel endlich beleben!

 

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Dieser Mottenburger geht frisch gestärkt wieder Löcher ins System fressen.

 

14 Kommentare

  1. Journalismus kann auch lustig sein! Danke für den Artikel – eine Bürgerin, die leider beim Protest nicht dabei sein konnte.

  2. Brigitte Abramowski

    Das war eine wirklich kreative Aktion….erinnert mich an die Protestkultur der 1980er und 90er Jahre! Großes Lob an die Ini und die Leute vom Bauwagenplatz. Auch der Artikel hier schön satirisch!

  3. Dirk, einen dicken Knutscher für diesen Artikel!! Großartig geschrieben und zusammengefasst. Geile Fotos.

  4. „Dieser Mottenburger geht frisch gestärkt wieder Löcher ins System fressen.“ Das hat Biss, Spitze!

  5. helgehenke

    ich bin – mal wieder – begeistert von deinem bloggggg! schöne ironie, die vor lauter trauer für den staatlich ignorierten außenseiter brennt wie zynik. herrlich, weitermachen!!!

  6. Pingback: Medienrückblick Ottensen - September 2016

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